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Mini lesson "Vielfalt vermessen"

Wie kann Vielfalt in städtischen Verwaltungsstrukturen nicht nur anerkannt, sondern aktiv gestaltet werden? Ein städtisches Diversity-Management wie das der Stadt Köln zeigt Wege auf, wie Vielfaltsorientierung systematisch in die tägliche Verwaltungs- und Planungspraxis integriert werden kann.

Zentrale Erkenntnis:

Eine offene, inklusive Stadtverwaltung kann dort entstehen, wo Vielfalt nicht nur programmatisch anerkannt, sondern durch ein konsequentes Diskriminierungsmonitoring und daraus abgeleitete verbindliche Standards, Routinen und Entscheidungsprozesse dauerhaft in der Verwaltung verankert wird und diese mit einer erkennbaren demokratischen Haltung verbindet.

Was zeigt sich?

Wiederkehrendes Muster:

  • Gelebte Vielfalt scheitert häufig an internen Prozessen und Routinen: Ohne ein systematisches Diskriminierungsmonitoring bleiben strukturelle Benachteiligungen und spezifische Bedarfe häufig unentdeckt, da klassische Verwaltungsdaten diese Aspekte oft nicht direkt abbilden.
  • Fehlende Daten erschweren die evidenzbasierte Weiterentwicklung interner Prozesse und die Schaffung eines chancengerechten sowie kundenorientierten Arbeitsumfeldes – und mindern die Fähigkeit von Verwaltungen, den steigenden Erwartungen an eine moderne und diskriminierungssensible Verwaltung gerecht zu werden.
    Typische Herausforderungen
  • Vorhandene Daten bilden kommunale Diskriminierungsrisiken und lokale Bedarfe häufig nur unzureichend ab. Für viele Kommunen ist es ressourcenintensiv, relevante Daten zu erheben, zusammenzuführen und auszuwerten sowie bestehende Datenlücken systematisch zu identifizieren und zu schließen.
  • Veränderungsprozesse werden nicht immer als Beitrag zu Vielfalt, Antidiskriminierung sowie Kultur- und Qualitätsentwicklung wahrgenommen, sondern teilweise als zusätzliche bürokratische Anforderungen.

Offene Fragen/Lernfelder: 

  • Nicht alle Kommunen verfolgen ein systematisches Diversity-Management. Welche Strukturen und Strategien unterstützen Kommunalverwaltungen unterschiedlicher Größe sowie mit unterschiedlichen Ressourcen und politischen Rahmenbedingungen dabei, Diskriminierungserfahrungen und Handlungsbedarfe innerhalb der Verwaltung systematisch zu erfassen und wirksam zu bearbeiten?
  • Wie können praxistaugliche und kontextualisierbare Standards für das kommunale Diskriminierungsmonitoring etabliert werden, um Kommunen bundesweit bei der vergleichbaren Erhebung und Auswertung diskriminierungsrelevanter Daten sowie der systematischen Schließung von Datenlücken zu unterstützen?
  • Wie können Kommunen voneinander lernen, vorhandene Daten in überprüfbare und praxisnahe Handlungsvorgaben zu übersetzen, die vielfaltskompetentes Verwaltungshandeln fördern und Veränderungsprozesse unterstützen?

Wo kann angesetzt werden?

  • Strukturen stärken: Kulturelle Veränderung entsteht dort, wo Vorgaben im innerbetrieblichen Miteinander tatsächlich gelebt und von Führung sowie Verwaltungsspitze getragen werden. Feste Zuständigkeiten (z. B. Amt für Integration und Vielfalt) sichern Kontinuität und Akzeptanz.
  • Datenbasis ausbauen: Kommunen können als ersten Schritt Diskriminierungserfahrungen innerhalb der Verwaltung systematisch erfassen, etwa durch interne Befragungen, und diese als Grundlage für die Entwicklung konkreter Maßnahmen nutzen.
  • Umsetzung und Lernen stärken: Die kommunikative Herausforderung besteht darin, Akzeptanz zu schaffen. Neue Angebote und/oder Routinen wirken weniger über formale Checklisten, sondern vor allem über dauerhafte Verhaltens , Kommunikations- und Entscheidungsroutinen. Etablierte Lernprozesse der Kommunen untereinander unterstützen dabei, geeignete Formate zu identifizieren.

Bedeutung für die Praxis

Relevanz für kommunale Steuerung: Daten und Standards stärken die Steuerungsfähigkeit, Transparenz und Legitimation von Diversity und Antidiskriminierungsarbeit in der Stadtverwaltung selbst als Basis für ein attraktives, chancengerechtes Arbeitsumfeld und für eine inklusive Stadtplanung.

Weiterführende Informationen und Ressourcen

Die advd-Falldokumentation: Handreichung

Die Handreichung des Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) ist ein Leitfaden für die Nutzung der neuen advd-Dokumentationsstandards. Sie liefert Hinweise zum Dokumentationsprozess und zu praktischen Erfassungsfragen. www.antidiskriminierung.org/die-advd-falldokumentation

Broschüre "2020: Köln liebt Vielfalt – Diversity Konzept"

Neben der Beschreibung des Konzepts umfasst die Broschüre eine Darstellung der ehemaligen Dienststelle Diversity sowie ausgewählte Diversity-Aktivitäten.
www.stadt-koeln.de/diversity-konzept

Diskriminierungsmonitoring

Seit 2021 veröffentlicht die Stadt Köln das Diskriminierungsmonitoring. Das Monitoring bereitet quantitative und qualitative Daten zu Diskriminierungsfällen auf, die von Kölner Antidiskriminierungsbüros sowie phänomenbezogenen Meldestellen dokumentiert wurden. www.stadt-koeln.de/diskriminierungsmonitoring

Grafik zum Download

Wir freuen uns über die weitere Verbreitung unserer mini lesson in Ihren Netzwerken. Die folgende Grafik kann von Ihnen unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 unverändert genutzt und weiterverbreitet werden. Digitale Belegexemplare bitte an info@innolab-vielfalt.de.